|
Dem Sonnengott
Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
Von aller deiner Wonne; denn eben ists,
Daß ich gesehn, wie, müde seiner
Fahrt, der entzükende Götterjüngling
Die jungen Loken badet' im Goldgewölk';
Und jezt noch blikt mein Auge von selbst nach ihm;
Doch fern ist er zu frommen Völkern,
Die ihn noch ehren, hinweggegangen.
Dich lieb' ich, Erde! trauerst du doch mit mir!
Und unsre Trauer wandelt, wie Kinderschmerz,
In Schlummer sich, und wie die Winde
Flattern und flüstern im Saitenspiele,
Bis ihm des Meisters Finger den schönern Ton
Entlokt, so spielen Nebel und Träum' um uns,
Bis der Geliebte wiederkömt und
Leben und Geist sich in uns entzündet.
Johann Christian Friedrich Hölderlin
|